vom 1. bis 7. September 2026
Seit 46 Jahren stehen die Traunsteiner Sommerkonzerte für hochkarätige Kammermusik und besondere Konzertmomente abseits der großen Metropolen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1980 haben sie, mit Ausnahme einer dreijährigen Unterbrechung, jeden Sommer einen kulturellen Höhepunkt in Traunstein und der Region geschaffen. Die Nähe zu Salzburg, anspruchsvolle Programme, renommierte internationale Künstlerinnen und Künstler sowie moderate Eintrittspreise haben das Festival weit über Bayern hinaus bekannt gemacht.
Bei der Programmgestaltung gilt seit jeher das Prinzip, Bekanntes mit Neuem, Klassik mit Moderne und gern Gehörtes mit selten Gespieltem zu verbinden. Diese Mischung eröffnet neue Hörerfahrungen und macht jedes Festivaljahr aufs Neue spannend.
Geprägt wurde dieses Konzept von der Gründerin Dorothee Ehrensberger († 2013), weiterentwickelt von ihrer Nachfolgerin Imke von Keisenberg († 2020) und seit 2022 von Intendant Maximilian Hornung mit eigener individueller Handschrift fortgeführt. Die Traunsteiner Sommerkonzerte stehen für Leidenschaft für Kammermusik und intensive Konzerterlebnisse in der besonderen Atmosphäre der Klosterkirche im Kulturforum Traunstein.
Eine enge Medienpartnerschaft mit dem Bayerischen Rundfunk und regelmäßige Mitschnitte für die Reihe „Festspielzeit“ von Deutschlandfunk Kultur tragen die Traunsteiner Sommerkonzerte zudem weit über die Region hinaus.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Publikum!
Herzlich willkommen zu den Traunsteiner Sommerkonzerten 2026! Dieses Jahr handelt es sich um ein heutzutage sehr zentrales Thema unserer Gesellschaft: „echt“.
Was ist Echtheit, Authentizität, Originalität, Wahrheit? Und wie erkennt man es? Durch künstliche Intelligenz, wachsendes Misstrauen und den sogenannten „fake news“ werden wir täglich bombardiert mit Dingen, die wir immer mühsamer verstehen, glauben oder filtern können. Im Festival wird es um Werke gehen, die z.B. Vorbild für eine ganze Komponistengeneration waren, die in ihrer Originalität zu Meilensteinen und dadurch zu etwas Echtem und Wahrem wurden. Auch sind es Werke, die beispielsweise den Stil eines Komponisten besonders hervorheben und dadurch eine Art Visitenkarte abgeben. Das Cello wird dieses Jahr eine tragende Rolle spielen. Oft gelobt und geschätzt für seine klangliche Nähe zur menschlichen Stimme, zeugt es von großer Ursprünglichkeit. Auch die Stimme selbst wird vertreten sein durch das wunderbare a cappella Ensemble „Singer Pur“ die schon allein durch ihren Namen Echtheit mitbringen. Es gibt also wieder viele Highlights zu entdecken, jedes Konzert ist einzigartig, und wie jedes Jahr ist es mir auch diesmal eine große Freude und Ehre, mit Ihnen gemeinsam die Festivalwoche erleben zu dürfen!
Auf das Wahre, Schöne, Gute und auf unvergessliche Traunsteiner Sommerkonzerte 2026!
Herzlichst,
Ihr Maximilian Hornung
Die Konzerte finden jeweils um 19.30 Uhr in der Klosterkirche des Kulturforums statt.
Einlass/Abendkasse jeweils ab 18.30 Uhr.
Quatuor Arod:
Jordan Victoria – Violine
Alexandre Vu – Violine
Tanguy Parisot – Viola
Jérémy Garbarg – Violoncello
Sarah Christian – Violine
Johannes Strake – Violine
Jano Lisboa – Viola
Maximilian Hornung – Violoncello
1. September 2026, 19:30 Uhr
Streichoktett Es-Dur op. 20
Allegro moderato ma can fuoco
Andante
Scherzo. Allegro legierissimo
Presto
// Pause //
Streichoktett C-Dur op. 7
Très modéré
Très fougeux – Moins vite – 1er Mouvement
Lentement – Plus vite – 1er Mouvement
Mouvement de Valse bien rythmée
Streichoktett Es-Dur op. 20
Als im Herbst 1825 bei den bekannten „Sonntagsmusiken“ der Familie Mendelssohn Bartholdy in Berlin das Streichoktett des jungen Felix zur Aufführung kam, erlebten die Besucher ein völlig neues Werk. Der erst 16-jährige Komponist präsentierte mit der Kombination zweier Streichquartette, in der Besetzung von vier Violinen, zwei Violen und zwei Celli, als erster ein Streichoktett als neue Gattung in der Kammermusik. Das Werk macht erstmals die Achtstimmigkeit zur Regel und strebt nach einem orchestralen Klangcharakter. Mendelssohn selbst notierte in der Partitur: „Dies Oktett muss im Stil einer Sinfonie in allen Stimmen gespielt werden“. Zudem betonte er die Dynamik stärker als in anderen kammermusikalischen Werken. Dies wird bereits im ersten Satz, Allegro moderato ma con fuoco in Es-Dur, deutlich. Das Allegro zeigt nicht nur die kompositorischen Fähigkeiten und den Elan des jugendlichen Komponisten, seine Dichte erinnert auch an symphonische Werke. Im in c-Moll komponierten Andante steht vor allem eine komplexe Harmonik im Zentrum. Das Scherzo in g-Moll spiegelt die literarische Prägung des Komponisten: Inspiriert von der Walpurgisnachtszene aus Goethes Faust I fing Mendelssohn die Verse „Wolkenflug und Nebelflor erhellen sich von oben. Luft im Laub und Wind im Rohr; und alles ist zerstoben.“ meisterhaft mit Staccati und Tremoli ein. Das in Es-Dur komponierte Presto stellt durch seine komplexe Stimmführung mit einer achtstimmigen Fuge und durch das Zitat „And he shall reign forever and ever“ aus dem Halleluja in Händels Messias den glanzvollen Höhepunkt des Oktetts dar. Es ist seit seiner Entstehung ein Fixpunkt im kammermusikalischen Repertoire und besticht durch seine Originalität und die Authentizität des jugendlichen Komponisten.
Streichoktett C-Dur op. 7
Das Streichoktett C-Dur op. 7 des rumänischen Komponisten George Enescu gleicht dem Oktett von Mendelssohn Bartholdy nicht nur in der Besetzung. Komponiert zur Jahrhundertwende, stellt es ebenfalls ein Werk dar, in dem die jugendliche Schöpfungskraft eines vielversprechenden Komponisten und Geigenvirtuosen ebenso wie die kulturelle Aufbruchstimmung in die Moderne zum Ausdruck kommt. Enescu
verbindet hier in seinem kosmopolitischen Stil diverse Einflüsse aus Paris und Wien mit seiner eigenen Herkunft. Rumänische Volksmusik und orthodoxe Kirchenmusik, die den jungen Komponisten prägten, finden ebenso Eingang wie eine weit zurückreichende Verwurzelung in den musikalischen Traditionen seiner Heimat. Wie auch im Oktett von Mendelssohn Bartholdy verzahnen sich die acht einzelnen Stimmen,
kommunizieren miteinander und lassen verschiedene Themen durch die Instrumente wandern. In der Form der Komposition zeigt sich jedoch die Aufbruchstimmung des Fin de Siècle: Die vier Sätze gehen ineinander über und werden zu einem einzigen musikalischen Fluss.
David Orlowsky – Klarinette
Daniel Stelter – Gitarre
Tommy Baldu – Schlagzeug
David Orlowsky
„Lisboa“
David Orlowsky, Daniel Stelter, Tommy Baldu
„Limão“
David Orlowsky, Daniel Stelter, Tommy Baldu
„Petrichor“
Traditionell
„Hejo, spann den Wagen an“
David Orlowsky, Daniel Stelter, Tommy Baldu
„Sunscreen“
Daniel Stelter, Tommy Baldu
„Suite“
David Orlowsky, Daniel Stelter, Tommy Baldu
„Gasoline“
// Pause //
Tommy Baldu
„Kinderträume“
David Orlowsky, Daniel Stelter, Tommy Baldu
„Marrakesh“
Henry Purcell 1659 – 1695
„Hornpipe“
David Orlowsky
„Magnolia“
Daniel Stelter
„À bientôt“
Es gibt Düfte und Gerüche, die vergisst man nach Jahrzehnten nicht. Das weiß auch Klarinettist David Orlowsky: „Gerüche haben einen unglaublich großen Einfluss auf unser Leben. Sie bestimmen, ob wir jemanden mögen oder ob wir uns wohlfühlen.“ Bei ihm können Gerüche noch etwas anderes auslösen: Es entsteht Musik. David Orlowsky gehört zu den wenigen Menschen, die ein sehr ausgeprägtes synästhetisches Empfinden haben. „Klänge und Düfte nehme ich auf eine verwandte Weise wahr – sie haben meist auch eine visuelle Komponente für mich.
Es gibt Melodien und Klänge, in die ich mich jedes Mal wieder verliebe, wenn ich sie höre, und manchmal fühle ich mich auch fast wie verliebt, wenn ein besonders schöner Duft mich überrascht.“ So zum Beispiel der Duft von einsetzendem Regen, der auf trockenen Boden fällt. Diesen Geruch mochte er schon immer und war nicht wenig erfreut, dass es sogar einen Namen dafür gibt: Petrichor.
Nun hat der Klarinettist unter diesem Namen ein ganzes Album aufgenommen. Darauf vertont er, zusammen mit Daniel Stelter an der Gitarre und Tommy Baldu am Schlagzeug, elf verschiedene und ganz spezielle Düfte und Gerüche, „die in uns etwas Positives auslösen“.
„Es ist sicher kein Zufall, dass wir von Duftnoten, Klangfarben und Farbtönen sprechen“, sinniert David Orlowsky, „Farben, Klänge und Düfte gehen also weit über das hinaus, was man mit Worten beschreiben kann. Und die wirklich spannenden Dinge im Leben fangen für mich da an, wo die Worte aufhören.“ Schon auf dem Vorgänger-Album „Alter Ego“, auf dem er zusammen mit dem Wiener Lautenisten David Bergmüller wunderschöne Klangmalereien und fantastische Harmonien erschaffen hat, ging beim Zuhören sofort das Kopfkino an. Auf „Petrichor“ verstärkt sich dieses Phänomen noch, denn schon die Namen der Stücke zeigen an, in welche Richtung es geht. Da gibt es Titel wie z. B. „Lisboa“, „Magnolia“, „Sunscreen“ oder „Marrakesh“. Fast schon könnte man meinen, man befinde sich in einer sehr exquisiten musikalischen Parfümerie. „Bei ,Lisboa‘ denke ich an einen bestimmten Platz in Lissabon, an dem ich oft saß. Es gab eine Bäckerei und ein Fischrestaurant und je nach Windrichtung änderte sich das Aroma“, erinnert sich David Orlowsky. „Bei ,Gasoline‘ geht es um diesen typischen Tankstellengeruch. Er verheißt für mich Freiheit mit einer Prise Gefahr. Man ist im Aufbruch. Ich liebe diesen Zustand“, gibt er zu und präsentiert eine rastlose, lauernde und ganz intensive Melodie in dem Stück. „In ,Circus‘ denke ich an Zirkus besuche mit meinem Vater in meiner Kindheit. Damals gab es Elefanten und Tiger, dazu der Geruch der Manege und der Zuckerwatte – das alles hat mich in seinen Bann gezogen und ich habe davon geträumt, mit einem Zirkus auf Reisen zu gehen.“ Beim Hören der Musik hat man fast selbst das Gefühl, mitten in der staubigen Manege zu stehen.
Mit jedem einzelnen Titel nimmt uns David Orlowsky mit auf eine Reise. Wie in einem Film zoomt er an Details heran, beleuchtet kleine, aber wichtige Situationen und entführt uns in großartige Fantasiewelten. Dabei ist es erstaunlich, wie meisterhaft er es versteht, seine Empfindungen und Erinnerungen in Musik zu verwandeln. Eines der geheimnisvollsten Lieder auf diesem Album ist das Stück
„Marrakesh“. David Orlowsky erinnert sich: „Ich war nur einmal kurz in Marrakesch, auf der Durchreise zum Surfen. Es war mein erstes Mal in Marokko. Unser Taxi blieb liegen und wir standen mitten in der Nacht an der Straße. Plötzlich war ich überwältigt. Ich konnte körperlich spüren, dass ich an diesem Ort noch nie gewesen war. Erst auf der Weiterfahrt ist mir klar geworden, dass es an den mir neuen Gerüchen lag. Es war irgendwie aufregend.“ Genau so klingt die Musik dazu. Die Klangwelt des Albums ist häufig ruhig, mancher würde sie vielleicht sogar melancholisch nennen, andere werden sicher etwas Tröstendes beim Hören finden. All das ist genau die Absicht der Komponisten, denn es beschreibt die Gefühle, die auch bei besonderen und positiven Gerüchen ausgelöst werden.
Sogar Erinnerungen an seine Kindheit auf dem Dorf in Süddeutschland hat David Orlowsky auf „Petrichor“ verarbeitet. In einer völlig neuen Version von „Hejo, spann den Wagen an“ erzählt er von heraufziehendem Regen und dem Duft von frisch gemähten Feldern. In jedem Stück, aber auch besonders in diesem, wird klar, was für ein großartiger Klarinettist David Orlowsky ist. Er spielt mit komplizierten Techniken, lässt die Klappengeräusche mit in die Musik einfließen und entlockt seinem Instrument mal ganz sanfte, mal harte, rhythmische und perkussive Töne. Nach mehr als 20 Jahren in seinem auf Klezmer spezialisierten Trio hat er sich zuerst mit dem Album „Alter Ego“ losgerissen und mit „Petrichor“ völlig freigeschwommen. Dabei hat er neue Freunde kennengelernt. Der Gitarrist Daniel Stelter und der Schlagzeuger Tommy Baldu sind ebensolche Tausendsassas an ihren Instrumenten wie David Orlowsky. Auch Lillo Scrimali, der bei vier Stücken auf verschiedenen Tasteninstrumenten mitspielt, ist in der Musikwelt kein unbeschriebenes Blatt. „Wir haben uns hinter der Bühne auf
einem Jazzfestival kennengelernt und sind direkt ins Gespräch gekommen“ erzählt David Orlowsky. Alle Musiker hatten natürlich voneinander gehört und wussten, welche Projekte gerade aktuell waren. „Wir waren uns sofort sympathisch und haben dann ganz spontan eine kleine gemeinsame Tour durch deutsche Jazzclubs unternommen. Die Konzerte hatten etwas sehr Spielerisches und bei jedem Soundcheck sind neue Songideen entstanden. Davon konnten wir nicht genug bekommen.“
Gut so, denn wie bei Gerüchen, vergisst man bedeutungsvolle Musik auch nach Jahrzehnten nicht.
Quatuor Arod:
Jordan Victoria – Violine
Alexandre Vu – Violine
Tanguy Parisot – Viola
Jérémy Garbarg – Violoncello
Maximilian Hornung – Violoncello
Das Konzert II wird vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und am 13.09.2025 um 18:05 Uhr in der „Festspielzeit“ auf BR Klassik gesendet.
Streichquartett Nr. 79 D-dur op. 76 Nr. 5 Hob. III:79
Allegretto
Largo, cantabile e mesto
Menuetto. Allegro ma non troppo
Finale. Presto
„Zwölf Mikroludien“ op. 13 für Streichquartett
// Pause //
Streichquintett C-Dur D 956 op. post. 163
Allegro ma non troppo
Adagio
Scherzo. Presto – Trio. Andante sostenuto
Allegretto – più allegro – più presto
Streichquartett D-Dur op. 76/5 Hob. III:79
In diesem Streichquartett aus den „Erdődy-Quartetten“ spiegeln sich typische Elemente des Haydn-Stils wider. Neben ausgeprägter Stimmführung und harmonischen Wendungen zeigt sich die für den österreichischen Klassiker typische Verbindung von Witz und Tiefsinn. Das Allegretto eröffnet das Werk mit einer unterhaltsamen Siciliana im 6/8-Takt, gefolgt vom zentralen, tiefgründigen Largo, cantabile e mesto. Während das Menuetto rhythmische Verschiebungen in den Fokus rückt, bringt das finale Presto Haydns Humor durch Trugschlüsse nochmals pointiert auf den Punkt.
„Zwölf Mikroludien“ op. 13 für Streichquartett
Die „Zwölf Mikroludien“ op. 13 für Streichquartett komponierte der ungarisch-französische Komponist und Pianist György Kurtág zum 60. Geburtstag seines Freundes András Mihály, ebenfalls ungarischer Komponist. In diesem extrem konzentrierten Werk wird Kurtágs unverkennbarer Personalstil der musikalischen Miniatur deutlich. Charakteristisch hierfür ist die Kürze der einzelnen Stücke, komponiert mit seriellen Elementen, repetitiver Rhythmik, Periodik und in posmoderner Klangsprache und Tonalität. Jeder der zwölf Mikrosätze basiert auf einem der zwölf Halbtöne der chromatischen Tonleiter, ohne vorherbestimmte Reihenfolge. Kurtág selbst fasste das Wesen dieser Musik einmal
ebenso minimalistisch wie treffend zusammen: „Es geschieht etwas – und es wird geantwortet.“
Streichquintett C-Dur D 956 op. post. 163
Als drittes Werk des Abends steht auch in diesem, um ein zweites Cello erweiterten Ensemble, der typische Stil seines Komponisten im Zentrum. Das kurz vor dem Tod Schuberts komponierte Streichquintett stellt dessen Spätwerk auf mehreren Ebenen exemplarisch dar. Die Komposition ist tief lyrisch, geprägt von schroffen Kontrasten und in sinfonischer Dichte und Größe angelegt. Ausgedehnte Melodik und Klangfarben haben hier weit mehr Relevanz als kleinteilige Motivik. Doch auch auf psychologischer Ebene wird die Präsenz des Schöpfers spürbar – kurz vor seinem frühen Tod zeigt sich Schubert hier zutiefst
in sich gekehrt und melancholisch. Das Werk wird auch heute noch als eines seiner größten kammermusikalischen Vermächtnisse wegen seiner Emotionalität und visionären Fortschrittlichkeit bewundert.
Im monumentalen Allegro ma non troppo werden gewaltige Bögen gesponnen, Dynamikunterschiede nebeneinandergestellt und das Zeitgefühl scheint streckenweise völlig aufgehoben. Das Adagio ist dreiteilig in Liedform aufgebaut, wobei der aufgewühlte Mittelteil einen stürmisch-fatalistischen Kontrast zum sphärischen Anfangs- und Schlussteil bildet. Das Scherzo lässt schließlich ein furioses Presto auf ein geheimnisvoll-meditatives Trio treffen, bevor das finale Allegretto mit den Klängen ungarischer Tanzmusik für einen mitreißenden Schlusssatz sorgt.
Cordula Kraetzl – Sopran
Christian Meister – Tenor
Marcel Hubner – Tenor
Manuel Warwitz – Tenor
Jakob Steiner – Bariton
Silas Bredemeier – Bass
Bill Withers 1938 – 2020
„Ain‘t No Sunshine“ (arr. Jonathan Mummert)
William Byrd 1543 – 1623
„Cantate Domino“
Boots Ottestad *1968, Ashley Hamilton *1974, Robbie Williams *1974,
Daniel Pierre *o. D.
„Come undone“ (arr. Joshua Bredemeier)
Franz Schubert 1797 – 1829
Friedrich Silcher: „Am Brunnen vor dem Tore“
Wolfram Buchenberg *1963
„Humor“
Håkan Parkman 1955 – 1988
„Madrigal“
Wolf Kerschek *1969
„Hänsel und Gretel“
William Byrd 1543 – 1623
„Memento homo“
Billie Eilish *2001, Finneas O‘Connell *1997
„No Time to Die“
John Williams *1932
„The Princess“
David Paich *1954
„Rosanna“
// Pause //
Guillaume Dufay 1400 – 1471
„Apostole glorioso“
Wilhelm Stenhammar 1871 – 1927
„I seraillets have“
Ralph Vaughan-Williams 1872 – 1958
„Rest“
Jaakko Mäntyjärvi *1963
„Come Away, Death“
Thomas Bangalter *1975, Guy-Manuel de Homem-Christo *1974, Pharrell Williams *1973, Nile Rodgers *1952
„Lose Yourself to Dance“ (arr. Oliver Gies)
Peter Wittrich *1959
„So lang der alte Peter“
Wilhelm Keller 1861 – 1911
„Die Kapelle am Strande“
Billy Joel *1949
„And So It Goes“ (arr. Bob Chilcott)
Chris Martin *1977, Jonny Buckland *1977, Guy Berryman *1978, Will Champion *1978 ft. (u.a.) will.i.am *1975, Wilhelmejn Verkaik *1975
„Fix you“
Bill Withers 1938 – 2020
„Lovely Day“ (arr. Heike Beckmann)
Singer Pur hat sich aufgemacht, das herauszufinden. In ihrem neuen Programm »Sounds of William« jagen die sechs Sänger*innen quer durch die Jahrhunderte – immer der Spur des Will hinterher. Von William Byrds Renaissance-Zauber über Wilhelmine von Bayreuths barocken Esprit bis hin zu Billie Eilishs Gänsehaut-Popsongs und Robbie Williams’ charmantem Swing – alles ganz ohne Instrumente, aber mit jeder Menge Witz, Gefühl und manchmal mit einem kleinen Augenzwinkern. Ein Abend voller Willensstärke, Willenskraft – und garantiert jeder Menge „Good Will Vibrations”
Maximilian Hornung – Violoncello
Benjamin Nyffenegger – Violoncello
Anna Tyka Nyffenegger – Violoncello
Sandro Meszaros – Violoncello
Thomas Grossenbacher – Violoncello
Paul Handschke – Violoncello
Cellokonzert h-Moll op. 104
(Fassung für fünf Celli von Paul Handschke)
Allegro
Adagio ma non troppo
Finale. Allegro moderato – Andante – Allegro vivo
// Pause //
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“
(Fassung für sechs Celli von Paul Handschke)
Adagio – Allegro molto
Largo
Scherzo. Molto vivace
Allegro con fuoco
Cellokonzert h-Moll op. 104
(Fassung für fünf Celli von Paul Handschke)
Das Allegro präsentiert ein lyrisches Hauptthema, das im Dialog von Solo-Cello und Orchester verhandelt wird. In diesem ersten Satz werden Anklänge an böhmische Volksmusik deutlich, die weiten Melodien lassen den einzigartigen Stil des Komponisten erkennen. Der zweite Satz, Adagio ma non troppo, lässt Einblicke in die komplexe Gefühlswelt des Komponisten zu. Dvořák zitiert hier sein Lied „Lasst mich allein“ aus dem Jahr 1888, da es das Lieblingslied seiner vor kurzem verstorbenen Schwägerin Josefine war. In diese war er in seiner Jugend unglücklich verliebt gewesen. Das Finale beginnt im Allegro moderato mit einer stetigen Steigerung, im Andante wird nochmals das Lied zitiert, bewusst lehnte Dvořák hier eine Solokadenz ab. Es folgt im Allegro vivo ein brillanter Schluss. Die Bearbeitung von Paul Handschke, entstanden während der Covid-19-Pandemie, als es nur für Kleingruppen von Musiker*innen möglich war, gemeinsam zu proben, stellt das originale Verhältnis von Solo-Cello und Orchester in Frage, indem es dieses durch vier Celli ersetzt. Das hat eine Veränderung der Klangfarbe, einen intimeren Charakter, sowie der Fokus auf kleinteilige Details in Harmonie und Motivik zur Folge.
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“
(Fassung für sechs Celli von Paul Handschke)
Das wohl populärste Orchesterwerk Dvořáks entstand während dessen Amerikaaufenthalts und verhandelt die Impressionen des tschechischen Komponisten über diese für ihn gänzlich ‚neue‘ Welt. Er äußert sich dazu als beeinflusst vom „Geiste indianischer Melodien“ und der Musik der afroamerikanischen Bevölkerung, verwendet in der Sinfonie jedoch keine Melodien dieser, sondern komponiert neue Themen. Einflüsse zeigen sich unter anderem in Rhythmik, beispielsweise durch zahlreiche Synkopen, oder in der Verwendung von Pentatonik, was den Eindruck dieser Musik auf Dvořák beweist. Die Sinfonie selbst ist durch moderne Harmonien, Kontrapunkt und Orchestrierung sowie Volksmusik-Einflüsse klar der westlichen Kunstmusik des späten 19. Jahrhunderts zuzuordnen. Der erste Satz, Adagio – Allegro molto, beginnt mit einer melancholischen Einleitung, ihm folgt das imposante Hauptthema in e-Moll sowie ein liebliches Seitenthema in G-Dur, das an Spirituals erinnert. Das Largo, ursprünglich „Legende“ benannt, stellt in einem pentatonisch komponierten Klagegesang eine musikalische Verhandlung der Dichtung Hiawatha von Henry Longfellow über einen historischen Ureinwohner dar. Darauf folgt das Scherzo. Molto vivace. Dvořák komponiert hier eine Tanzmusik, die ein Fest zur Hochzeit Hiawathas darstellt; in der an böhmische Volksmusik angelehnten Komposition wird jedoch auch die Sehnsucht nach der eigenen Heimat deutlich. Im finalen Allegro con fuoco wird die monumentale Weite Amerikas durch das marschartige, triumphale Hauptthema ausgedrückt. Die Bearbeitung verteilt die Vielzahl an Harmoniestimmen auf sechs Celli, verleiht dem Werk eine neue Klangfarbe und ermöglicht eine völlige Neuinterpretation der bekannten Sinfonie. Anders als im Cellokonzert wirken die sechs Stimmen hier konstant miteinander und schaffen ein großes Ganzes.
Nicolas Altstaedt – Violoncello
Francesco Corti – Cembalo
Gambensonate Nr. 1 G-Dur BWV 1027
Adagio
Allegro ma non troppo
Andante
Allegro moderatoto
Konzert für Cembalo C-Dur BWV 976 (nach A. Vivaldi)
Allegro
Largo
Cellosonate e-Moll RV 40
Largo
Allegro
Largo
Allegro
// Pause //
Cello Suite Nr. 5 c-Moll BWV 1011
Prelude
Allemande
Courante
Sarabande
Gavotte I&II
Gigue
Les Voix Humaines
Grand Ballet
Les Folies d‘Espagne
Gambensonate Nr. 1 G-Dur BWV 1027
Bei der Gambensonate Nr. 1 G-Dur handelt es sich vermutlich um eine Bearbeitung, die Johann Sebastian Bach aus einer heute verlorenen Triosonate für zwei Violinen und Basso continuo entwickelt hat. Die Stimme der Viola da gamba ist auf dem heutigen Cello gut spielbar, weshalb sich die Sonate hoher Beliebtheit erfreut. Die drei Stimmen, Cello wie die beiden Hände des Cembalos sind gleichberechtigt und eng miteinander verwoben. Fugenhafte, virtuose Tanzsätze wechseln sich ab mit meditativen harmonischen Studien.
Konzert für Cembalo C-Dur BWV 976
Dieses Cembalo-Solokonzert stellt keine Eigenkomposition Bachs dar, sondern ist eine Studie zum italienischen Konzertgenre seiner Zeit. Bach transkribierte hierfür das Violinkonzert E-Dur (op. 3, Nr. 12, RV 265) seines Zeitgenossen Antonio Vivaldi für das Cembalo. Mit dieser Bearbeitung überträgt er den italienischen Stil auf das Tasteninstrument und fordert von den Ausführenden höchste Virtuosität.
Cellosuite Nr. 5 c-Moll BWV 1011
Für Pau Casals stellen die Cello-Suiten „die Quintessenz von Bachs Schaffen [dar], und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik“. Als Meilenstein des Repertoires prägen sie die gesamte klassische Musik. Diese Suite erhält durch eine heruntergestimmte G-Saite einen besonders gedeckten Klang. Sie beginnt mit einem majestätischen Prélude im Stil einer französischen Ouvertüre. Auch die folgenden Sätze sind von französischen Hoftänzen geprägt, wobei die Sarabande
als einziger rein einstimmiger Satz besonders melancholisch hervorsticht.
Cellosonate e-Moll RV 40
Vivaldis Cellosonate e-Moll RV 40 steht beispielhaft für eine im damaligen Venedig sehr beliebte Gattung. Sie war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern diente – wie Graf von Schönborn-Wiesentheid es beschrieb – dem Musizieren „zum Zeitvertreib in Camera“, also als Hausmusik. Die Sonate ist vermutlich ein Pasticcio, setzt sich also aus verschiedenen, bereits früher entstandenen Sätzen zusammen, was sowohl für den Komponisten als auch für die Epoche üblich war. Im Wechsel von langsamen und schnellen Sätzen entspricht sie dem klassischen Aufbau einer Barocksonate.
Marin Marais war einer der bedeutendsten Virtuosen auf der Viola da gamba und Komponist des Barock-Repertoires. Als Mitglied des Kammerensembles von Ludwig XIV. spielte er dieses vornehmste aller Instrumente. Im ornamentalen französischen Stil schuf er diverse Werke, darunter Les Voix Humaines (1701), das die emotionale Qualität der Gambe im Vergleich zur menschlichen Stimme widerspiegelt.
Das Grand Ballet (1711) ist ein Tanzstück aus seiner Suite Nr. 1 in a-Moll für Gambe und Basso continuo.
Bei Les Folies d‘Espagne (1701) handelt es sich um sein bekanntestes Stück, eine Folge von Variationen über das spanische Follia-Thema.
Maria Ioudenitch – Violine
Johannes Strake – Violine
Jano Lisboa – Viola
Sylvia Zucker – Viola
Maximilian Hornung – Violoncello
Streichquintett F-Dur
Gemäßigt
Scherzo. Schnell – Langsam – Schnell
Adagio
Finale. Lebhaft bewegt – Langsamer
// Pause //
Streichquintett G-Dur op. 111
Allegro non troppo, ma con brio
Adagio
Allegro assai
Streichquintett F-Dur, WAB 112
Nach der Komposition seiner Fünften Sinfonie und der Überarbeitung seiner sinfonischen Hauptwerke wagt der österreichische Komponist Anton Bruckner hier ein Werk in neuer Besetzung. Für die klassische Besetzung des Mozartschen Quintetts – zwei Violinen, zwei Violen und ein Cello – schreibt er sein Streichquintett in F-Dur. Durchzogen von der katholischen Religiosität des Komponisten, dicht komponiert, gezeichnet von Steigerungen, Rückzügen und einer ständigen Gesamtspannung ist das Werk unverkennbar ‚echt‘ und sinfonisch Bruckner – dabei jedoch, bedingt durch die kleinere Besetzung, mit intimerem Charakter.
Das Streichquintett beginnt im ersten Satz (Gemäßigt) mit einem romantischen Hauptthema im 3/4-Takt; es folgt eine beinahe improvisatorische Weiterentwicklung der Themen. Das Scherzo, hier dem langsamen Satz vorgezogen, stellt ein tanzartiges Ländlerthema einem Trio in Es-Dur gegenüber. Darauf folgt das dahinfließende Adagio in Ges-Dur; ein stetiger Puls entlädt sich schließlich in einem starken Höhepunkt. Das Finale beginnt in f-Moll ungewöhnlich beschwingt und endet mit einer intensiven Coda in F-Dur.
Streichquintett G-Dur op. 111
Johannes Brahms beschloss im Jahr 1890, dass sein in Bad Ischl komponiertes zweites Streichquintett in G-Dur op. 111 den Schlusspunkt seines kompositorischen Schaffens bilden sollte. In diesem Spätwerk zeigt sich die ganze Reife des Komponisten. Das Werk – wie auch Bruckners Quintett mit zwei Violinen, zwei Violen und einem Cello besetzt – ist gezeichnet von der Reflexion und Resignation eines der bedeutendsten Tonschöpfer der Romantik.Im Allegro non troppo, ma con brio eröffnet ein weit ausgreifendes Cellothema über sinfonisch dichter Begleitung das Streichquintett; darauf folgen Walzermotive mit Anklängen an Johann Strauß. Die kühnen harmonischen Wandlungen des Kopfsatzes wurden später von Komponisten der Moderne wie Arnold Schönberg besonders hervorgehoben. Das in d-Moll stehende Adagio, in seiner Tonalität an ungarische Volkslieder angelehnt, ist ein inniges Klagelied in der Tradition der Elegie. Die Tonfolge F-A-E bezieht sich auf den Wahlspruch des Geigers Joseph Joachim, „Frei, aber einsam“, und kann als Rückblick des stets ungebundenen Komponisten auf sein eigenes Leben gedeutet werden. Das Allegretto stellt eine bewegtere Weiterführung des Adagios dar; trotz einzelner Ausbrüche bleibt es in einer zurückgezogenen Stimmung. Das finale Allegro assai beginnt zunächst mit einem Duett der beiden Violen in h-Moll, worauf der strahlende Geigeneinsatz in G-Dur folgt, ehe sich eine Wandlung zum ungarischen Volkstanz Csárdás vollzieht. Dieses vitale Ende stellt sich der Resignation entgegen – und auch für Brahms sollte es letztlich nicht das Ende seiner musikalischen Schöpfung sein: Das Werk öffnete den Raum für späte Meisterwerke wie das Klarinettenquintett, dem dieses Streichquintett in Teilen bereits ähnelt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Mapbox. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von OpenStreetMap. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen